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Ein Jahr "am Tor" - Interview mit Philipp Sattler, Geschäftsführer der Stiftung DIE GRÜNE STADT

Ein Jahr "am Tor" - Interview mit Philipp Sattler, Geschäftsführer der Stiftung DIE GRÜNE STADT
Brandenburger Tor vom Allianz Forum aus gesehen. ©Philipp Sattler

⁢In der der Februar-Ausgabe der Verbandszeitschrift des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) "Landschaft Bauen & Gestalten 02_2020" äußert sich der Geschäftsführer der Stiftung DIE GRÜNE STADT zur Situation der Stiftung ein Jahr nach dem Umzug von Düsseldorf nach Berlin an den Pariser Platz.

Herr Sattler, seit einem Jahr agiert die Stiftung DIE GRÜNE STADT vom neuen Standort am Brandenburger Tor in Berlin aus. Wie ist der Stand?
Inzwischen ist die gemeinsame Geschäftsstelle mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL e.V.) im Allianz Forum gut angekommen und voll funktionsfähig, nachdem sie das erste Halbjahr 2019 in einer Übergangsphase von Düsseldorf und Berlin aus „parallel“ agiert hat. Die Stiftung nahm an einer umfassenden Ausschreibung des BMI für die Durchführung des Bundespreises Stadtgrün teil, leider ohne den Zuschlag zu bekommen. Im zweiten Halbjahr 2019 galt es, die Netzwerke, alte wie neue, zu pflegen.

Was hat sich organisatorisch verändert?
Der Mitinitiator und langjährige Vorstandvorsitzende der Stiftung Peter Menke ist zum 01.01.2020 auf eigenen Wunsch aus der Stiftung ausgeschieden. Derzeit bekleidet Wolfgang Groß (BGL) kommissarisch den Vorstandsvorsitz, Markus Guhl vom Bund deutscher Baumschulen (BdB) ist stellvertretender Vorstandvorsitzender. In der Kuratoriumssitzung vor Weihnachten wurde beschlossen, die dritte Vorstandsposition bis Mitte diesen Jahres nachzubesetzen. Das Kuratorium ist in seiner Zusammensetzung im Wesentlichen gleichgeblieben, den Kuratoriumsvorsitz hat Eiko Leitsch vom BGL im Dezember für weitere drei Jahre übernommen.

Wo liegen die zukünftigen Schwerpunkte?
Hier agieren wir nach dem Motto: Bewährtes beibehalten, Neues auf den Weg bringen.
Neben den etablierten Formaten wie Messeauftritten, Vorträgen und Netzwerkarbeit sollen in Zukunft über Kooperationen neue Projekte generiert werden. Dazu möchten wir beispielsweise mit der DGGL ein deutsches Qualitätssiegel für Grünflächenunterhaltung entwickeln. Im Sinne einer Zertifizierung zielt es darauf ab, verbindliche Qualitätsstandards für Grünanlagen zu etablieren. Wir streben an, hier ein Förderprojekt auf Bundesebene zu beantragen.

Auf welche Trends gilt es zu reagieren?
Für mich sind Begriffe wie Klimaresilienz, Biodiversität, Urbanisierung, Lebensqualität, und grüne Infrastruktur aktuell von zentraler Bedeutung. Die erfolgreichen Publikationen der Stiftung sollen im Hinblick auf diese Trends deshalb einem Relaunch unterzogen werden. Den modernen Lesegewohnheiten entsprechend sollen die Broschüren gedruckt aber auch digital zur Verfügung gestellt werden. Auftakt wird eine kompakte Faktensammlung zum Stadtgrün „für die Westentasche“, die für das Frühjahr geplant ist.

Was sind Ihre nächsten Veranstaltungen?
Im Frühjahr ist die Stiftung traditionell auf zwei Fachmessen präsent:
Auf der IPM in Essen Ende Januar moderiere ich für die Stiftung Messe-Rundgänge zu Ausstellern aus dem Baumschulbereich. Hier geht es um Themen wie Klimabäume, Nachhaltigkeit in der Produktion und zeitgemäße Standortbedingungen.

Auf der bautec in Berlin richtet die DGS wie schon in den Jahren 2016 und 2018 wieder die GRÜNBAU:TALKS aus. In diesem halbtägigen Symposium kommen Fachleute aus der Branche zu aktuellen Trends und Themen der grünen Stadt zu Wort und mit den Fachbesucher*innen ins Gespräch. Das Thema heißt diesmal: „Grün, resilient, nachhaltig. Wie kann die grüne Branche die Stadt für den Klimawandel fitmachen?!“
Klimaresilienz, Schwammstadt, Grüne Stadtoberflächen – alle diese Begriffe stehen in der aktuellen Diskussion dafür, dass Landschaftsarchitekten, Landschaftsbauer und Baumschuler die richtigen Werkzeuge besitzen, um die Städte an die veränderten Bedingungen anzupassen und zukunftsfest zu machen.

Und auch auf der GaLaBau in Nürnberg wird die Stiftung dieses Jahr präsent sein. Hier mit der Preisverleihung zum Husqvarna-Förderwettwerb 2020 „Innovative Grünkonzepte in Städten“. Diesen deutschlandweiten online-Wettbewerb wird die Stiftung dieses Jahr schon zum dritten Mal ausrichten. Angesprochen sind Kommunen, die im Bereich Pflege und Unterhalt beispielhafte Konzepte und Ansätze zur nachhaltigen Anlage und Bewirtschaftung von Stadtgrün einreichen. Der thematische Fokus liegt auf der Nachhaltigkeit in ganz umfassendem Sinn: ökologisch, sozial und ökonomisch. Denn nur ein dauerhaft leistungsfähiges Stadtgrün ist in der Lage, den Hausforderungen durch Klimawandel, abnehmende Biodiversität und Übernutzung erfolgreich zu begegnen.

Wo sehen Sie die DIE GRÜNE STADT in 3 Jahren?!
In Abgrenzung zu anderen Initiativen auf diesem Feld liegt die große Chance der Stiftung in den Begriffen Integration und Kooperation. Aufgrund Ihrer Aufstellung will die Stiftung gemeinsame Plattform für den gesamten „Lebenszyklus“ von nachhaltigem Stadtgrün sein: von der gesellschaftlichen Willensbildung und dem politischen Baubeschluss, über den landschaftsarchitektonischen Entwurf, die gartenbauliche Realisierung und Bepflanzung bis hin zu nachhaltigen Pflege der Grünanlage. Und über deren ökologisch und gesellschaftlich relevante Nutzung schließt sich der Kreis.
Das „grüne Dach“, welches im Logo der Stiftung grafisch angedeutet ist, symbolisiert hier also Anspruch wie Chance. Ziel muss es sein, die Stiftung zu der spartenübergreifenden Plattform für Stadtgrün zu machen. Deshalb soll auch die Kooperation mit der GALK verstärkt und die Nähe zu Politik und Förderinstitutionen gesucht werden.

Zusammengefasst verstehe ich Die Stiftung DIE GRÜNE STADT als
• Ort des Austauschs und Katalysator für Kommunikation im grünen Bereich
• Organ für Wissenstransfer, das aktuelle Informationen vorhält und Beratungsangebote an Akteure in Verwaltung und Zivilgesellschaft bereitstellt
• Operationsbasis, um Akteure zu vernetzen und Projekte auf den Weg zu bringen.

Herr Sattler, wir danken für das Gespräch!

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