Luftqualität/Feinstaub

 

Neue EU-Luftqualitätsrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt

Am 6. August 2010 treten in Deutschland strengere Vorgaben für die Luftqualität in Kraft. Damit wird die neue EU-Luftqualitätsrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Erstmals werden Luftqualitätswerte für die besonders gesundheitsschädlichen kleinen Feinstäube (Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer; PM2.5) festgesetzt. Bereits 2010 tritt ein PM2.5-Zielwert in Kraft. Ab 2015 gilt ein PM2.5-Grenzwert in gleicher Höhe. Unverändert bleiben die Luftqualitätswerte für Feinstaub mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer (PM10), für Stickstoffoxide, Benzol, Schwefeldioxid und andere Stoffe.

Die EU-Richtlinie eröffnet die Möglichkeit, Fristverlängerungen in Anspruch zu nehmen. Fast alle Mitgliedstaaten der EU, so auch Deutschland, haben Schwierigkeiten mit der Einhaltung der seit 2005 bzw. 2010 geltenden anspruchsvollen Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid. Diese Schadstoff-Emissionen sind insbesondere im Verkehrsbereich trotz der stetig verschärften Abgas-Standards nicht wie erwartet zurückgegangen. Wesentliche Voraussetzung einer Fristverlängerung ist die Vorlage eines Luftreinhalteplans, in dem dargelegt wird, mit welchen Maßnahmen die Luftqualitätswerte zukünftig eingehalten werden sollen. Wird eine Fristverlängerung gewährt, müssen die Feinstaubgrenzwerte spätestens ab 12. Juni 2011 und die Stickstoffdioxid-Grenzwerte spätestens ab dem Jahr 2015 eingehalten werden.

Das 8. Gesetz zur Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sowie die 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen – 39. BImSchV) dienen der 1:1-Umsetzung der Richtlinie 2008/50/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Mai 2008 über Luftqualität und saubere Luft für Europa. Für den Vollzug der neuen Vorschriften sind die Bundesländer zuständig. Eine wichtige Maßnahme zur Einhaltung der Grenzwerte kann die Einrichtung einer Umweltzone mit Einfahrverboten für schadstoffreiche Kraftfahrzeuge sein. Die Länder haben bereits mehr als 40 Umweltzonen in Kraft gesetzt.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Mehr unter: http://www.bmu.de/luftreinhaltung/aktuell/1704.php


Efeu und Luftqualität

Hier ein TV-Bericht "Wunderpflanze Efeu".

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=18876

Die Sendung wurde am 14.04.2010 in hr/alles wissen ausgestrahlt.


Innovatives Projekt in NL:
Feinstaubfreie Region Südost-Brabant

Die Region Südost-Brabant wird intensiv begrünt. Das Ziel: Zur Floriade 2012 soll die Feinstaubbelastung der Region durch Bäume und Pflanzen neutralisiert sein. Dieses innovative Konzept entwickelt "Richtpunt2012", eine Kooperation folgender Partner:
- Wissenszentrum Nachhaltige Stadt- und Gebietsentwicklung (KDS),
- Beratungsgesellschaft Triple E,
- Provinzregierung Nord-Brabant und
- Gebietsverband der Region Eindhoven (SRE).

Auf der Website www.richtpunt2012.nl - wer niederländisch versteht, hat´s leicht - steht auf der Startseite ein kurzer Film, der ohne Worte, dafür aber mit schöner Musik unterlegt, die Region animiert begrünt. Außerdem finden sich interessante Hintergrundinformationen und in Kürze Fragen und Antworten zum Feinstaub.

Mehr unter:
http://www.richtpunt2012.nl/
http://www.kds-web.nl/actuele-projecten/
http://www.tripleee.nl/EN/index.html


Hamburg: Bund ermöglicht Nutzung von Deckelflächen über der A7

Der Bund hat der von Hamburg geplanten Nutzung von Deckelanlagen über der A7 zugestimmt. Senatorin Anja Hajduk: "Mit dem Ausbau der A 7 eröffnet sich für Hamburg die einmalige Chance, ein seit fast 40 Jahren durch die Autobahn zerstörtes Stadtgefüge zu heilen. Drei Deckel von zusammen fast vier Kilometern Länge sollen Raum für Parkanlagen, Spielflächen und Kleingärten bieten und lassen die getrennten Stadtteile Othmarschen, Bahrenfeld, Stellingen und Schnelsen wieder zusammenwachsen. Diese historische Gelegenheit dürfen wir nicht verpassen."
Hamburg möchte den vom Bund im Zuge der A 7 geplanten Lärmschutz deutlich ausweiten und mehr Flächen überdeckeln. Der gesetzliche Lärmschutz wird durch die vom Bund geplanten Maßnahmen zwar gewährleistet, jedoch würde die Zerschneidung des Stadtraums in weiten Teilen durch Lärmschutzwände verstärkt. Mit den von Hamburg angestrebten drei Deckeln würden insgesamt fast vier Kilometer der A7 im Untergrund verschwinden und rund 25 ha neue Grünflächen auf den Deckeln entstehen. Die zusätzlichen Kosten einer "großen Lösung" muss Hamburg tragen. Dafür müssen städtische Flächen im Umfeld der Autobahn für Wohnbebauung genutzt werden. In Altona wird damit die Idee aus den 20iger Jahren aufgegriffen, einen Grüngürtel vom Volkspark bis zur Elbe zu schaffe

Mehr unter: http://www.hamburg.de/bsu/


Bäume filtern den Geruch
Wer Laub- und Nadelbäume neben den Stall pflanzt, schont die Nachbarn

Wer in der Nähe großer Hühnerställe wohnt, wünscht sich oft, er könnte seine Nase verschließen - so wie ein Seehund. Vom Gestank geplagte Nachbarn könnten nun Hilfe bekommen: Amerikanische Forscher fanden heraus, dass ein Schutzwall aus Bäumen die unangenehmen Düfte abfangen kann. Offensichtlich filtern die Pflanzen nicht nur Staub aus der Luft, sondern auch das Gas Ammoniak und andere, übel riechende Substanzen.
Die Forscher der Universität Delaware hatten mit ihrem Konzept auf Klagen von Anwohnern reagiert, die neben großen Familienbetrieben mit Hühnerzucht wohnen. Die Betriebe hatten neue Ventilatorensysteme eingebaut, der Gestank drang nun verstärkt nach außen. "Wir schlugen deshalb Bäume als natürlichen Filter vor", sagt der Hühnerexperte und Wissenschaftler George Malone.
Nach sechs Jahren experimentellen Austestens steht nun das Konzept: In drei Reihen müssen die Bäume gepflanzt werden, um einen echten Schutz zu bieten. Für die Reihe, die dem Stall am nächsten steht, empfehlen die Forscher Laubbäume oder Bäume mit wachsartigen Blättern. Die Reihen zwei und drei sollen aus immergrünen Nadelbäumen bestehen. Ist der Baumwall perfekt, werden 56 Prozent des Staubs, 53 Prozent des Ammoniaks und 18 Prozent der anderen Duftstoffe aus der Stallluft gefiltert, bevor sie zum Nachbarn vordringen kann. Der schon bekannte positive Effekt, den Bäume auf staubige Stadtluft haben, lässt sich also auch auf dem Land geschickt ausnutzen.
Für die Hühnerfarmer haben die grünen Filter noch weitere Vorteile. Im Sommer spenden sie Schatten für die Ställe, sodass weniger gekühlt werden muss. Im Winter schützen sie die Ställe vor kaltem Wind, das spart Heizkosten. Schon jeder dritte Hühnerfarmer auf der Delmarva-Halbinsel - dort liegt die Universität Delaware - hat das Konzept in die Tat umgesetzt. "Immer mehr Menschen ziehen aufs Land, dorthin wo auch die Hühnerfarmen sind", sagt Malone. Seine Ergebnisse stellte Malone vergangene Woche einer Tagung der American Chemical Society vor.

Quelle: Katrin Zöfel, DIE WELT, 25. August 2008
tp://www.whtelt.de/welt_print/arti2369701/Baeume_filtern_den_Geruch.html
http://www.treehugger.com/files/2008/08/trees-chicken-odors.php


Feinstaub-Info des Umweltbundesamtes

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind seit dem 1. Januar 2005 neue Grenzwerte für Feinstaub (PM10) in Kraft. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 µg/m3 und darf nicht öfter als 35mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert liegt bei 40 µg/m3. Über auftretende Feinstaubbelastungen und Überschreitungen soll die Öffentlichkeit möglichst schnell informiert werden. Daher wird ein kontinuierliches Messverfahren angewandt, dessen Ergebnisse Grundlage der Datendarstellung sind. Auf der Website des Umweltbundesamtes gibt es weitere Informationen und eine Deutschland-Karte mit tagesaktuellen Messergebnissen:

Mehr unter: http://www.env-it.de/luftdaten/map.fwd?comp=PM1


Das Jahr begann mit hohen Feinstaubwerten

Silvesterfeuerwerke haben in Nordrhein-Westfalen für extrem hohe Feinstaubkonzentrationen gesorgt. Mancherorts lag sie nach Mitternacht beim 20- bis 50-fachen des üblichen Wertes, teilt das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW mit. Der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Quadratmeter wurde an 56 von 70 Mess-Stationen überschritten.

Damit haben bereits am 1. Januar fast alle Messstandorte den ersten Feinstaubüberschreitungstag des Jahres. Zulässig sind maximal 35 Überschreitungstage im Jahr. "Die quasi landesweite Überschreitung des Feinstaubgrenzwertes an Neujahr ist schon ungewöhnlich" kommentiert Prof. Dr. Peter Bruckmann, Abteilungsleiter Luftqualität im LANUV, das Messergebnis. Zwar komme es jedes Jahr zu Neujahr zu etwas erhöhten Feinstaubwerten auf Grund des Feuerwerks, dies führte aber nur an einzelnen Standorten zu Überschreitungen. Neujahr 2007 wurde an keiner Messstation, Neujahr 2006 an 10 Messstationen der Tagesgrenzwert überschritten. Peter Bruckmann führt die besonders hohe Belastung in diesem Jahr auf die Wetterlage zurück: "Windstille, starker Nebel und eine Inversion in ca. 300 m Höhe behinderten massiv den Luftaustausch. Dadurch hält sich der Feinstaub lange an Ort und Stelle." so Bruckmann.

Die Liste der Messstationen mit den jeweiligen Tagesmittelwerten vom 1. Januar 2008 findet sich im Internet unter
http://www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/aktluftqual/eu_pm10_akt.htm


Anwohner können saubere Luft einklagen

Gute Nachricht für Anwohner, neue Aufgaben für Kommunen und Städteplaner. Am 25. September 2007 fällte das Bundesverwaltungsgericht ein Grundsatzurteil zur Belastung mit Feinstaub (BverwG 7 C 36.07). Anwohner stark befahrener Straßen haben nun einen Rechtsanspruch auf Schutzmaßnahmen durch ihre Kommune. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat mit seinem Urteil über einen Klagefall in München Städte und Gemeinden indirekt aufgefordert, die Bewohner stark befahrener Straßen auch dann vor dem Krebserreger Feinstaub zu schützen, wenn keine landesweite Aktionspläne zur Luftreinhaltung vorliegen. Konkrete Maßnahmen nannten die Leipziger Richter jedoch nicht.

Mehr unter:
http://www.tagesschau.de/inland/feinstaub2.html
http://www2.netdoktor.de/nachrichten/index.asp?y=2007&m=9&d=28&id=127771


Feinstaub: Straßenverkehr kann krank machen

Personen, die an stark befahrenen Straßen wohnen, leiden öfter an einer Verkalkung der Herzkranzgefäße, wodurch das Risiko für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall ansteigt. Das fanden Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen und Düsseldorf bei einer Analyse der Heinz Nixdorf Recall Studie heraus, die im August 2007 in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "Circulation", dem Organ der American Heart Association, veröffentlicht wird.
"Das wichtigste Ergebnis unserer Studie ist, dass Menschen, die nahe an einer vielbefahrenen Straße wohnen, eine stärkere Arteriosklerose der Herzkranzgefäße - die Blutgefäße, die das Herz versorgen - aufweisen als solche, die weiter entfernt wohnen," sagt Dr. Barbara Hoffmann vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Duisburg-Essen. Verglichen mit Studienteilnehmern, die mehr als 200 m entfernt von einer Autobahn oder Bundesstraße wohnen, ist die Chance, eine starke Verkalkung zu haben, um 63% höher für diejenigen, die innerhalb 50 m wohnen und um 34% höher für diejenigen, die innerhalb 51-100 m wohnen.

Die Hauptursache für innerstädtische Unterschiede in der Feinstaubkonzentration ist der Verkehr. "Dies ist die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen einer lang andauernden hohen Verkehrsbelastung nahe der Wohnung und der Herzkranzgefäßverkalkung untersucht. Damit zeigen wir einen möglichen Mechanismus der Wirkung von Feinstäuben auf das Herz," sagt Dr. Hoffmann. Die Studie wurde durchgeführt im Rahmen der Heinz Nixdorf Recall Studie, die seit 2000 in enger Kooperation mit den drei beteiligten Städten Mülheim, Essen und Bochum neue Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen untersucht.

Mehr unter:
http://www.recall-studie.uni-essen.de
http://www.uni-duisburg-essen.de/imibe/g_klinische_epidemiologie.php
http://www.medizin-aspekte.de/07/08/medizin_forschung/feinstaub_herzinfarkt.html


Die reine Luft in der Stadt

Das Umweltbundesamt in Dessau zeigt eine Liste der in Deutschland bekannt gewordenen Luftreinhaltepläne, Aktionspläne, Maßnahmenpläne, teilweise mit Links zu den entsprechenden Internetveröffentlichungen.

So liest man z.B. im Luftreinhalte- und Aktionsplan der Stadt Braunschweig vom März 2007:
"Die Bindung von Feinstäuben durch Baumpflanzungen, Begrünung, auch Dach- und Fassadenbegrünung sowie Zulassung von Spontanbegrünung auf unversiegelten Flächen ist erwiesen. Hinsichtlich der Quantifizierung der Filterleistung durch Pflanzen bestehen aber noch Erkenntnisdefizite. Derzeit laufen mehrere Forschungsvorhaben, die für spätere Begrünungsaktionen ggf. Erkenntnisfortschritte erbringen können. Die Stadt Braunschweig hat u. a. deshalb in den vergangenen sechs Jahren über 3.500 neue Bäume zusätzlich im öffentlichen Raum gepflanzt. Allein im Jahr 2006 wurde die Pflanzung von ca. 500 Bäumen im Stadtgebiet realisiert. Die Pflanzkosten pro Baum einschließlich Pflanzsubstrat sowie Fertigstellungspflege betrugen ca. 650 €, bei 500 zusätzlich gepflanzten Bäumen im Jahr 2006 fielen damit Kosten in Höhe von ca. 325.000 € an. Die Pflanzung von Bäumen im öffentlichen Raum ist eine seit Jahren wahrgenommene Daueraufgabe, die auch zukünftig in besonderem
Maße weiterverfolgt wird."

Die Stadt Köln fasst neben zahlreichen Maßnahmen zum Verkehrsmanagement auch die "Förderung des Wohnens in der Stadt" als Maßnahme zur Verbesserung des Stadtklimas:
"Die Stadt Köln verfolgt seit mehreren Jahren unterschiedliche Ziele, um der Zersiedelung zu begegnen. Wichtige Schwerpunkte sind Innenentwicklungen, Nachverdichtungen und Flächenrecycling. Durch diese Maßnahmen sollen in den nächsten Jahren Flächen in der Größenordnung von ca. 180 ha für den Wohnungsbau genutzt werden können. Hierzu gehören z.B. ehemaliges EAW-Gelände und Clouth-Gelände in Nippes mit jeweils ca. 10 ha oder CFK-Gelände in Kalk mit ca. 30 ha. Seit mehreren Jahren setzt die Stadt Köln das Baulückenprogramm um. Im Rahmen dieses Programms werden in Köln monatlich 20 - 25 Wohnungen geschaffen. Die Stadt Köln wird das Baulückenprogramm weiter fortsetzen."

Die Liste und weiterführende Informationen und Links unter:
http://www.env-it.de/luftdaten/download/public/html/Luftreinhalteplaene/uballl.htm


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