Navigation

GRÜNBAU:TALKS – Grüne Infrastruktur in Städten

GRÜNBAU:TALKS – Grüne Infrastruktur in Städten
Im Mittelpunkt der GRÜNBAU:TALKS stand die Frage, wie die Grüne Infrastruktur die Lebensqualität der Menschen beeinflusst.

Die GRÜNBAU Berlin, Teil der Messe bautec, stellte sich auch 2018 unter die Überschrift „Außenräume gestalten, bauen und pflegen“. Im Rahmenprogramm der Messe gab es am 21. Februar 2018 die GRÜNBAU:TALKS. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Grüne Infrastruktur die Lebensqualität der Menschen beeinflusst. Die Fachveranstaltung mit vier Kurzvorträgen und einer Podiumsdiskussion wurde von der Messe Berlin in Kooperation mit dem Patzer Verlag, Redaktion Stadt + Grün, und der Stiftung DIE GRÜNE STADT angeboten. Peter Menke, Vorstand der Stiftung, begrüßte die rund 100 Teilnehmer und führte in das Tagungsthema ein: „Wir erleben einen anhaltenden Trend zur Urbanisierung und deshalb sind Städte die wichtigsten Akteure zur Lösung einer Vielzahl von Fragen unserer Zeit: Stichwörter sind u.a. Klimawandel, Mobilität, Wohnungsnot, Gesundheit, Lebensqualität.“ Da Verdichtung ein wesentliches Element von Städten sei, ergäben sich naturgemäß Konflikte um die Flächennutzung. So sei es gerade richtig, das Thema Grüne Infrastruktur auf einer Baumesse in den Fokus zu nehmen. „Wie wollen wir zukünftig leben? Was müssen wir heute tun, um den Umbau der Städte frühzeitig in die richtigen Bahnen zu lenken?“, fragte Menke die Referenten und Teilnehmer zum Einstieg in die Forumsveranstaltung.

Stress and the city: Was Städte mit uns machen

Dr. Mazda Adli, Stressforscher und Psychiater, ist ärztlicher Leiter der Fliedner Klinik in Berlin. Unter dem Titel „Stress and the City – Warum Städte uns krankmachen und trotzdem gut für uns sind“ hat er 2017 ein Buch herausgegeben, das beide Dimensionen intensiv ausleuchtet. In seinem Vortrag zeigte er anhand verschiedener Studien auf, dass es eine echte Kausalbeziehung zwischen dem Stadtleben und psychischen Erkrankungen gibt. Das bedeute nicht, dass das Stadtleben an sich krank mache, jedoch sei in Verbindung mit weiteren Einflussfaktoren das Risiko erhöht. Die Phänomene soziale Dichte wie auch soziale Isolation erzeugten Stress. Wichtig sei es, besser zu verstehen, welche Eigenschaften von Städten hier wirken und welche Arten von Stress sie jeweils fördern. Der Einfluss von Straßenbäumen, Grünflächen und Stadtparks auf die körperliche Gesundheit sei gut untersucht. Leicht erreichbare Grünflächen verbesserten aber auch die psychische Situation der Bewohner. Jedoch fehlten belastbare Forschungsergebnisse über die gesundheitsprotektiven Faktoren in Städten. Eine Forschungsgruppe sei hierzu eingerichtet worden, die als interdisziplinäres Forum aus Neurowissenschaftlern, Architekten und Stadtplanern untersucht, welche Einflussfaktoren des Stadtlebens wie auf Emotionen und Verhalten wirken. Es sei geboten, dass Städte sich individuelle „Public Mental Health Strategies“ geben, um die Gesundheit und Lebensqualität der Bürger zu stärken.

Baukultur in Zeiten der Urbanisierung

Reiner Nagel, Architekt und Stadtplaner, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur mit Sitz in Potsdam, erläuterte anhand von Daten, dass es innerhalb des großen Trends zur Urbanisierung eine Gleichzeitigkeit ungleicher Entwicklungen gibt: Neben wachsenden und schrumpfenden Städten gebe es auch boomende ländliche Räume und solche, die extremen Schwund managen müssten. In Deutschland gebe es rund 11.300 Städte und Gemeinden mit einer sehr individuellen Struktur, Größe und Geschichte. Ebenso unterschiedlich seien auch die Strategien, die vor Ort umgesetzt werden müssten, um die Herausforderungen zu bewältigen. Große Städte müssten weiter verdichten, unbebaute Potenziale nutzen und gegebenenfalls zusätzliche Außenreserven in Anspruch nehmen. Städtebaulich sei es notwendig, auf kommunaler Ebene ein Rahmenkonzept vorzugeben, in dem dann eine gesunde Raumentwicklung organisiert werden könne. Das Einfamilienhaus sei dabei sicher nicht das Modell der Zukunft. Umso wichtiger seien öffentliche Frei- und Grünflächen, es gelte, die grüne und die graue Infrastruktur der Städte gemeinsam zu planen und miteinander zu vernetzen. Als konkrete Maßnahmen empfahl er den Städten eine kommunale Bodenpolitik und eine aktive Liegenschaftspolitik sowie eine konsequente Qualifizierung des öffentlichen Raums. Es gelte, Baukultur und Grün kommunal zur Chefsache zu machen, aber auch Bürgerwünsche aufzunehmen.

Vernetzung als integraler Teil der Berliner Städteplanung

Katharina Mach, Stadt- und Regionalplanerin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, stellte Beispiele aus der Planungspraxis im Rahmen der Wohnungsneubauoffensive vor. Der Berliner Senat strebe an, das anhaltende Wachstum mit dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit in lebenswerten, grünen, gemischten Quartieren in Einklang zu bringen und den sozialen Zusammenhalt in der Berliner Stadtgesellschaft zu stärken. Ein zentrales Ziel des Senats sei die Schaffung neuer, vor allem bezahlbarer Wohnungen. Elf Standorte sind Schwerpunkte des Berliner Wohnungsbaus im kommenden Jahrzehnt. Für die Entwicklung der elf neuen Stadtquartiere wurden Quartiersleitlinien erarbeitet. Diese umfassen alle sozialen und ökologischen Herausforderungen und sollen Basis einer erfolgreichen integrativen Quartiersentwicklung sein. Stadtgrün und Gebäudebegrünung sind dabei wichtige Aspekte. Bei der Planung der elf neuen Stadtquartiere wurden erste Handlungsansätze und Maßnahmen entwickelt, die grüne Infrastrukturen in die Quartiersplanung integrativ einbindet, in denen es aber auch um energiesparendes Bauen und innovative energie- und wasserwirtschaftliche Aspekte geht. Wichtig sei es, Baukörper nutzungsoffen anzulegen, um später, bei möglicherweise geringerem Bedarf nach Wohnungen oder einer sich ändernden Arbeitswelt alternative Nutzungen realisieren zu können.

Der grüne Faden

Stefan Jäckel vom Büro ST raum a. Landschaftsarchitekten aus Berlin betonte anhand verschiedener Beispiele aus der Planungspraxis die Bedeutung von Partizipation und Bürgerbeteiligung. „Was der Freiraum leisten muss, hängt direkt von den Erwartungen und Bedürfnissen der späteren Nutzer ab,“ so Jäckel, „dabei ist zu bedenken, dass die Nutzungsintensität umso höher liegt, je kleiner die zur Verfügung stehende Fläche ist.“ Da sich damit notwendigerweise auch die Pflegeintensität erhöhe, sei die Planung entsprechend gefordert. Wichtig sei es, den Freiraum robust zu planen und für möglichst viele, unterschiedliche Nutzungen und Ansprüche zu qualifizieren. Die grüne Infrastruktur sei wesentlich, da sie die Wohl- und Lebensqualität erhöhe, Begegnungsorte schaffe, Identität stifte und zur Nachhaltigkeit beitrage.

In der Abschlussdiskussion mit allen Sprechern und Mechthild Klett, Redaktionsleiterin von Stadt + Grün, wurden die Beiträge auch mit dem Publikum diskutiert und weitere offene Fragen beantwortet. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass es in Zukunft darauf ankommen wird, die Grüne Infrastruktur als wertvolles und kostengünstiges Instrument zur Verbesserung der Stadtlandschaften verstärkt bewusst zu machen und einzusetzen. Entscheidend sei es, dabei jenseits kurzfristiger Sparziele eine mittel- und langfristig orientierte Qualitätsstrategie zu verfolgen. „Die Investition in Grün lohnt", fasste Menke zusammen, „es gilt, weg zu kommen von einer Kosten- hin zu einer Leistungsbetrachtung öffentlicher Grünräume."

Weitere Informationen und downloadbare Fotos unter: www.gruenes-presseportal.de